· 

Unsere Konsumgesellschaft

Über diesen Artikel mache ich mir schon sehr lange Gedanken. Eigentlich schon vor der Geburt des Augustmädchens. Wir wachsen in der westlichen, wohlbehüteten Welt auf. Uns geht es definitiv gut. Das sei vorweg geschrieben.

Manchmal wünsche ich meinen Kindern, die gleiche freie Kindheit, wie ich sie hatte. Aber das ist irgendwie nicht mehr möglich. Es ist alles schneller, besser und doch irgendwie verrückter geworden. Gerade auf Instagram und YouTube-Kanälen wird immer eine perfekte Welt gezeigt. Mütter und dazu die Kinder, die schick angezogen sind, die Zimmer immer aufgeräumt sind und einfach alles so gemalt aussieht. Doch ist das wirklich unsere Welt?

 

Müssen wir Anderen was beweisen oder was ist das Ziel?

 

Uns steht tagtäglich die Welt 24h rund um die Uhr offen. Wir können immer einkaufen gehen und bestellen. Ganz entfliehen kann man der Luxuswelt nicht. Das ist uns auch klar. Dennoch möchten wir unseren Mädels ein Werteverständnis beibringen.

 

Auch wenn es jetzt vielleicht Meinungen von Lesern gibt, die meinen: "Sag mal, die kauft ihren Kindern doch total teure Sachen und jetzt erzählt sie was von Konsumgesellschaft".

 

Ja, für gewisse Sachen bezahle ich den Preis, wenn ich davon überzeugt bin.

Meine Kinder können noch nicht einschätzen, ob sie teure oder preiswerte Sachen tragen und das ist auch gut so.

 

Mir geht es um den alltäglichen Konsum. Die Mädels bekommen nicht obligatorisch an einer Supermarktkasse etwas oder dürfen sich jedes Mal eine Zeitung aussuchen. Ich muss wirklich sagen, da werden sie relativ kurz gehalten. Genauso wichtig finde ich es in Situationen des Trotzens (wenn es die Zeitung nicht gab), zu erklären, dass Papa und Mama dafür arbeiten gehen. Auch wenn ich gerade als Zweifach-Mami nicht vierzig Stunden arbeiten gehe, finde ich es wichtig, dass man Kindern beibringt in der Zeit in der sie im Kindergarten sind, Mama und Papa Geld verdienen müssen.

 

Kommen wir zu dem etwas anderen Konsum des Alltags, den Freizeitaktivitäten. Genau darin sehe ich immer öfter ein großes Problem. Wir können unseren Kindern im Alltag und an den Wochenenden so viel bieten und mit ihnen so viel unternehmen. Es gibt ein riesiges Freizeitangebot in und um Berlin. Eine Zeit lange habe ich mich genau davon leiten lassen. Abends saß ich völlig erschöpft auf dem Sofa und versuchte diesen turbulenten Tag zu verarbeiten. Wie es wohl gerade meinen Kindern damit geht? Die verarbeiten doch noch ganz anders, oder? Mich machte das zunehmend unzufriedener...

 

Wir versuchen gerade die Wochenenden dazu zu nutzen einfach in Familie zu sein und ruhig mal Langeweile aufkommen zu lassen. Denn ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass mit Langerweile Kreativität, entstehen kann. Kreativität, die unseren Kinder automatisch im Alltag oft genommen wird.

 

Als das Augustmädchen geboren wurde nahm ich mir vor, dass das Kinderzimmer keine Spielzeugladen-Dimension annehmen soll. Bis hierhin ist es mir auch ganz gut gelungen. Dafür, dass sich zwei kleine Menschen in diesem Raum befinden, haben wir recht "wenig" Spielzeug. Dennoch trotzdem zu viel in meinen Augen.

 

Ich möchte, dass die Mädels sich auf ihre kindliche Kreativität verlassen können. Es braucht nicht immer alles, um zu spielen. Ein Puppenbett kann aus einem alten Pappkarton gebaut werden oder der Stall für die Pferde kann aus Hölzern und einem Band gebaut werden.

Ich mag dieses Spielzeug nicht, wo die Spielsituationen vorgegeben sind. Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die glücklich machen.

 

Wir haben von Anfang an, an sämtliche Familie, Bekannte und Freunde kommuniziert, dass sie bitte nur ein Geschenk mitbringen sollen, beispielsweise zum Geburtstag. Mich hat diese Geschenkeflut trotzdem zu jedem Geburtstag immer wieder enorm unter Druck gesetzt. Die Kinder sollen die Geschenke auspacken, sich freuen und sich bedanken. Diese vorgefertigten Handlungen, die verlangt werden, sorgen in mir persönlich für einen großen Druck.

 

Doch wie kann man dem entgegenwirken?

 

Jetzt in der Vorweihnachtszeit kommen mir wieder diese Gedanken. Es gibt eigentlich nichts, was die Mädels akut gebrauchen könnten.

Doch schenkt man jetzt etwas, weil man das zu Weihnachten so macht? Ich glaube ich wäre dieses Weihnachten ziemlich glücklich, wenn die Mädels ein Geschenk bekommen, worüber sie sich freuen und worauf sie einen ein Fokus legen können. Das Augustmädchen hat schon mit voller Begeisterung den Spiele Max Katalog durchforstet. Da findet sie sicherlich etwas und das darf sie auch auf ihren Wunschzettel kleben. Einen Wunsch von diesem Zettel werden wir ihr erfüllen.

 

Überall lauern Konsumfallen im Alltag. Ich möchte den Kinder bewusst machen, dass man nicht glücklicher ist, wenn man jeden Tag Etwas kauft.

 

Ich möchte in der Weihnachtszeit Wert darauf legen Gemütlichkeit und Besinnlichkeit einziehen zu lassen. Wir können Plätzchen backen und dabei lustige Winterlieder hören und müssen nicht von einer Veranstaltung zur nächsten hetzen.

 

Das Augustmädchen ist ein sehr kreativer kleiner Mensch. Sie liebt es, sich zu verkleiden, in Rollenspiele hinein zu hüpfen und einfach mal ein bisschen zu malen, zu kleben und zu basteln.

Hingegen das Julimädchen noch nicht wirklich in dem Alter ist, sich eine längere Zeit zu beschäftigen. Aber auch sie lernt hervorragend von der großen Schwester.

 

Wir möchten einfach einen Fokus darauf legen, den Mädels die kleinen schönen Dinge des Alltags zu zeigen und mit ihnen zu erleben. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0